Bereitschaft zu
ausgelassenem Frohsinn gilt, wenn die festlichen Tage der Uffelschen
Schützen nahen.
Ebenfalls auf dem Schützenwall hat sich der steinerne Tisch befunden, dessen
schwere Platte (1,54x0,66 m
groß) die Jahreszahl 1569 aufweist und einen Sinn spruch trägt, der
für die Wesensart der alten ,,lufelsken" bezeichnend ist:
BISTV EIN SCHVT / S0 WIS NICHT VNMVT
WILTV PVCHEN VND SLAN
SO MVSTV VEIL GELDES HAN
SI FROM / SO GEISTVS VMlie 81 FROM 1 50 GEISTVS VM
Das heißt in unserer Mundart: Bist du ein Schütze, oft so zeige keinen
aufbrausenden Sinn! Willst du prahlen und dich schlagen, so mußt du viel
Geld haben.
Sei rechtschaffen und fügsam, so umgehst du es.
und wenn sie in den
nahen Wäldern Schutz gesucht hätten. so würden doch wenigstens
einige von ihnen nach dem Abzug der Böhmen zurückgekehrt sein, um Haus
und Hof neu zu errichten. Aber geblieben waren von der ganzen Siedlung Quatuflen
nur unbewohnte Feldfluren, die mit ihren schauerlichen Namen "Dodenbrede" und "Der
Kirchhof" bis in unsere Tage hinein erinnern an die furchtbaren Greuel im
Juni 1447. Von einem Meierhof in "Middelesten Uflen" berichtet eine
Urkunde von 1146, und dieser Name taucht während der nächsten 200 Jahre
nur noch zweimal auf. Um so häufiger stoßen wir auf die Bezeichnungen "Lobhof" und "Hessekenhof".
Der obere, am Walde gelegene und heute Richter gehörige Lohhof hieß seit
1405, als er dem Frederic de Callendorpe übertragen wurde, lange Zeit der
Kallendorfer Hof, auch als ihn später die Drosten von Exter und Ahmsen besaßen,
die schließlich Haus und Hof im Spiel verloren.
Der weiter unten nach der Straße hin gelegene, heute Riepesche Lobhof war
im Besitz der Bollemann und seit 1412 der reichen Familie von Grest, bis er um
1500 an den Dechan des Herforder Stiftes kam, wo er bis zur Säkularisation
1808 verblieben ist. Der längst erloschene Hessekenhof, mit dem im Wechsel
die Adelsgeschlechter de Hagen, von Arnholt, von Wend und von der Lippe bedacht
waren, wurde 1429-1447 von der "Wittib Hessinne regiert, die den Vornamen
Adelheidis führte, aber allgemein ,Aleke" genannt wurde. Ihre Feldmark
erhielt damals den Namen Alekenbrede und ist heute als das Siedlungsgelände
Elkenbrede bekannt.
Damit dürfte der Beweis erbracht sein, daß alle die Uflen-Siedlungen
außer Salzuflen sich nach Herford ausgerichtet hatten und die dortige Abtei
als oberste Lehnsherrin anerkannten, der sie zinspflichtig waren und von deren
Vogtei sie Verwaltung, Rechtsprechung und Schutz erwarteten. So erklärt
sich auch die spätere Grenzziehung, bei welcher das gesamte Gebiet der Herforder
Feldmark westlich des heutigen Lindenkruges zu Ravensberg und später zu
Brandenburg-Preußen kam.
Unter Sternberger Herrschaft
Salzuflen dagegen hat seit etwa 1220 zur Herrschaft Sternberg gehört, die
sich gerade damals von der Grafschaft Schwalenberg gelöst hatte; und Sternber-
gischer Besitz ist es geblieben, bis es nach dem Erlöschen dieser Herrschaft
im Jahre 1400 in lippische Hände überging. Die Edlen Herren vom Sternberge
haben in ihrem Dorf Uflen Richter eingesetzt, die hier in ihrem Namen für
Recht und Sicherheit zu sorgen hatten; 1220 war es der Richter Konrad tJngnathe,
der von den ?nobilis de Sterrenberghe in Uflen eingesetzt war, 1322 wird als
vornehmster und erster unter den Ratsherren dieses Weichbildes ein "judex" Werner
genannt. Nach ihm war Henrik de Keteler Richter des Grafen Heinrich
von Sternberg in Uflen.
Diese landesherrlichen Beamten mögen hoch angesehen gewesen sein und ihren
verantwortungsvollen Posten nach bestem Können ausgefüllt haben, für
Schutz und Sicherheit in ihrem Jurisdiktionsbezirk konnten sie jedoch nicht sorgen.
Salzuflen hatte weder Wall noch Mauer, war auch ohne jede organisierte
Truppe, wie Horn, Blomberg, Lemgo und Detmold sie besaßen, und so war es
für die 1447 heranrückenden Böhmen ein leichtes, die zerstreut
liegende Siedlung an der Salze zu verwüsten.
Salzuflen in der Soester Fehde
Wenn je ein Ort unschuldig von der Kriegsfurie zerstampft worden ist, so ist
es Salzuflen in der Soester Fehde. Der kaum l8jährige Junker Bernhard zur
Lippe,
der durch den frühen Tod seines Vaters unter die Vormundschaft seines Großonkels
Dietrich von Moers, des Erzbischofs von Köln, gekommen war, hatte sich den
Zorn dieses hohen Verwandten zugezogen. Im Einvernehmen mit seinem späteren
Schwiegervater, dem Grafen Otto von Schaumburg, hatte er sich für den Grafen
von Cleve entschieden, der die Stadt Soest von dem bisherigen Kölner Landsherrn
unabhängig gemacht und an sich gezogen hatte.
Als der zornentbrannte geistliche Kriegsherr Soest mit seinen eigenen 20.000
Soldaten nicht zurückerobern konnte, gelang es ihm, eine buntzusammenge-
würfelte Schar wilder Kriegsvölker anzuwerben. Sie bestand, wenn wir
die Angaben des Staatsarchivs Weimar zugrundelegen, aus 6.300 Reitern und 5.600
Fußsoldaten, die sich etwa zur Hälfte aus böhmischen Söldnern,
Nachfolgern der gefürchteten Hussiten, zur anderen Hälfte aus sächsischen
Truppen zusammensetzten.
Infolge eines Waffenstillstandes im sächsischen Erbteilungsetreit waren
sie beschäftigungslos geworden, und Landgraf Wilhelm von Meißen war
froh, sie loszuwerden. Dietrich von Moers ließ sie durch seinen Generalissimus
Jürgen Spiegel von Pekkelsheim anwerben und von Thüringen nach Soest
führen. Anstatt nun den kürzesten Weg über Korbach und Brilon
zu nehmen, wählte man den bedeutenden Umweg über das Lipperland und
brach sengend und brennend darin ein. Es galt damals der Grundsatz: Der Krieg
muß den Krieg ernähren! Jeder Kriegsherr animierte seine Truppen,
sich den Sold durch Rauben und Plündern möglichst selbst zu holen
Krieg und Verwüstung
Als erste der lippischen Städte wurde Blomberg berannt, die kleine, 200
Jahre alte Festung und lippische Residenz. Der aus Werl herbeigeeilte junge Landes-
herr konnte nur noch seine hochgelegene Bergfeste in Flammen aufgehen sehen und
sich durch eine gewagte Flucht der eigenen Gefangennahme entziehen. Nach der
vollständigen Zerstörung Blombergs am 13. Juni 1447 teilte sich die
Masse raubdürstiger Söldner in drei Heeressäulen, die nun brennend
und plündernd das Lipperland überfluteten. Im Zuge dieser Agression
wurde das Schloß Brake erstürmt, Detmold erobert, geplündert
und gebrandschatzt, die bedrängten Städte Lemgo und Horn in ihrer Not
zum Loskauf gezwungen, Lemgo für 26.000 Gulden, Horn für 3000 Gulden
und 300 Kühe. Die zeitgenössischen Berichte ergehen sich in Schilderungen über
die Schändung von Kirchen, Klöstern und Klausnereien im Lande. Sie
erzählen auch, nicht
ohne Stolz, von der vergeblichen Belagerung der Falkenburg und des Schlosses
Sternberg durch die Böhmen.
Aber das traurigste
Kapitel dieser mordbrennerischen Vergewaltigung unseres Lipperlandes ist doch
die totale Zerstörung unseres völlig wehrlosen Uflen am 16. Juni 1447.
Gewiß hatten die Bewohner rechtzeitig Wind bekommen von der nahenden Meute
der Plünderer. Durch einen Zufall ist uns die Nachricht
überkommen, daß die Salzufler sich mit ihrem Vieh und ihrer Habe in
den Asenberg geflüchtet hatten, der ihnen wohl die beste Sicherheit bot,
lag er doch weit abseits von der Straße der Vernichtung, die in Richtung
Herford führe.
Treue zur Heimat
Es ist ein Ruhmeskapitel in der Geschichte Salzuflens, daß die geflüchteten
Bewohner dieses Weichbilds damals nicht verzweifelt sind und sich als 1-jährige
oder Leibeigene in ferne, glücklichere Städte und Dörfer zerstreut
haben. Man mag den Uflern manche Untugenden nachsagen, etwa, sie seien aufbrausend,
streitsüchtig, auf schnöden Gewinn erpicht und den Künsten abhold
-, das eine kann man ihnen nicht absprechen: sie waren stets tapfer in Zeiten
der Gefahr und haben nicht kapituliert, wenn es hieß, eine Notlage zu überwinden.
Salzuflen sollte nicht wieder als lockere Höfelage entstehen, sondern mußte
eine feste Stadt werden.
Das befestigte Lippstadt hatte in der Soester Fehde ein leuchtendes Beispiel
gegeben: 6 Wochen rang hatte das sächsisch-böhmische Heer diese älteste
und bedeutendste Stadt Lippes belagert und berannt. Aber die wehrhafte, mit gutem
Geschütz versehene Bürgerschaft, von den tapferen Bürgersfrauen
unterstützt, hatte alle Sturmangriffe abgewehrt und die Beschießung
mit Brandpfeilen vereitelt.
Also mußte Salzuflen auch eine Stadtmauer mit starken Toren und wehrhaften
Festungstürmen haben. Schon die Namen der ältesten Bürgerregister
sagen uns, daß in den ersten hundert Jahren nach der Stadtwerdung die Einwohnerschaft
durch Zuzug von auswärts sich mindestens verdreifacht hat. Da gibt es Familiennamen,
welche den Herkunftsort des neuen
Bürgers nennen, z. B. von Soest, von Lünen, Hallerspring (Springe),
zu Sylbach, zu Hepke. von Wüsten, to Pehlen, Oleve, Spenge, Corvey und Wieden
denbrügge. Andere Namen verraten einen bekannten Hof der näheren Umgebung,
von dem einer der daheim abgefundenen Söhne nach Salzuflen gekommen war:
Vinnenmeier, Lohmeier, Sunderrneier, Dreckmeier,
Ribbentrup. Volkhausen, Schemmel, Lambracht, Thies, Güse, Schwein, Dust,
Frone, Klöpper, Busse, Peishenke und Hanebom.
Etwa 25 Jahre lang ist an der Stadtmauer, ihren vier Doppeltoren und drei Wehrtürmen
gebaut worden. Als Abschluß und Krönung dieses Werkes hat man in das
Ostertor (vor Maschke) neben dem landesherrlichen Wappen und dem Traditionswappen
mit dem Ufler Salzbrunnen die Jahreszahl 1472 eingehauen; so hat uns der Archivrat
Ludwig Knoch berichtet, der es selbst noch gesehen hat. Die Türme und Tore
sind längst abgebrochen mit Ausnahme des Katzenturms, der als alter Veteran
die Zeiten überdauert hat.
Die Stadtmauer ist noch fast in ihrem ganzen Verlauf zu erkennen, wenn auch an
den meisten Stellen bedeutend niedriger. Der Rat und Syndicus Chr. Antze hat
fast 400 Jahre nach ihrer Erbauung die Ausmaße der Mauer festgestellt.
Sie betrugen - umgerechnet - 680,38 m Länge, 4,68 m Höhe und 0,94 cm
Dicke. Der
Kunstmeister (Architekt) A. Culemann stellte dabei fest, daß die Mauer
damals zu erbauen 6.912 Reichsthaler gekostet haben würde.
Die kostbare Solquelle
Ausschlaggebend bei der Planung der festen Stadt waren nicht etwa taktische Erwägungen,
sondern die kostbare Solquelle. Unbedingt sollte dieses Kleinod
mit den gewerblichen Anlagen des Salzhofes im Herzen der neuen Stadt liegen.
Ferner kaufte Salzuflen damals (1464/65) von zwei adeligen Familien die Mühle
auf, die bisher weiter auswärts im Salzetal gelegen hatte. Auch dieser für
einen selbständigen Ort unerläßliche Betrieb mit seiner so wichtigen
Mühlenge-
rechtigkeit fand nun seinen Platz innerhalb der Stadtumwehrung, während
der Mühlenteich draußen "vor der Planken" ausgehoben wurde.
Schließlich wurde auch die Kapelle auf dem Hallenbrinke, damals noch ein
Filial von Schötmar, mit in den Mauerring einbezogen. Die Salzufler Bürger
wollten das im Gottes-
hause ruhende Allerheiligste und auch ihre Angehörigen und Voreltern, die
dort auf dem Totenacker ruhten, geschützt wissen.
Die Gründungsurkunde
von 1488
In der Gründungsurkunde vom 28. Mai 1488 bestätigt der Edle Herr Bernhard
(VII.) zur Lippe seinen "lieben, getreuen Bürgermeister, Rat und Gemeinheit
zu Soltufflen", die ihm so oft willig zu Diensten gestanden haben, daß sie
fortan auf ewige Zeiten die Privilegien und Freiheiten für ihre Stadt besitzen
sollen in dem gleichen Maße, wie Lemgo, Horn, Blomberg und Detmold sie
von des Grafen Voreltern verliehen bekommen haben. So sollen die Salzufler jeden
Mittwoch
ihren freien Markt haben, auch nach alter Gewohnheit ihre freie Kirmeß am
Sonntag nach dem 29. August.
Vor allem aber wird der jungen Stadt zugestanden, daß sie, um ihre Stadtbe-festigungen,
Türme, Mauern und Tore instandhalten zu können, Ämter und Gilden
einrichten darf, wie sie in anderen Städten schon bestehen. In dieser Urkunde
erkennen wir den Anfang der handwerklichen Gilden, und wir werden sehen, wie
diese Zünfte der Handwerker zugleich Wehrgemeinschaften waren und die Basis
der militärischen Organisation unserer Stadt bildeten.
Unsere Stadt hatte nunmehr die eigene Wehrhoheit und das Recht, ihre Tore zu
schließen, wenn die Sicherheit es gebot. Doch dem Landesherrn sollte
Uflen jederzeit ein ,open hus' sein. In einem Bündnisvertrage des kriegerischen
Bernhard VII. mit Herford heißt es: Im Kriegsfalle kann der eine durch
des an-
deren Land jagen; Schlagbäume und Schlinge sollen ihm offenstehen, ebenso
die Schlösser und Städte, wenn er Schutz sucht. Wird einer angegriffen,
so kann er durch zwei schildbürtige (ritterliche) Mannen oder durch einen
städtischen Ratsherren des anderen Beistand fordern. Auch die bisher offene,
unter Landesschutz stehende Heerstraße soll durch die Stadttore nicht abgeriegelt
werden. Ausdrücklich heißt es: "Die Straße für Kaufmannshabe
soll nach alter Gewohnheit durch Uflen und Herford gehen." (Lipp. Reg. Nr.
2149 u. 2389)
Fehdereiche
Zeit Es würde
zu weit führen, wollte man alle Privatkriege und Raubzüge
jener fehdereichen Zeit aufzählen, durch welche Salzuflen beunruhigt
worden ist. Nur ein Beispiel:
Der Bischof von Minden hatte dem lippischen Edelherrn seine Burg Wedigenstein
verpfändet, sie aber 1409 ohne Erstattung der Pfandsumme mit Gewalt
wieder in Besitz genommen. Als Entschädigung hat der streitbare Bernhard
VII. sechzig Jahre später die Mindensche Ulenburg (nördl. Löhne)
erstürmt, die dann
bis 1627 in lippischem Besitz geblieben ist. Dazu hatte Bernhard im August
1469 seine ganze Kriegsmacht in Uflen gesammelt, unter welcher die Schützen
von
Lemgo, Salzuflen und Horn standen. Wie mag damals die Armierung einer kleinen
Stadt beschaffen gewesen sein? Wir müssen schon andere Orte zum Vergleich
heranziehen; Salzuflen hat zur Zeit seines 'stedebuwets' keine Protokollbücher
geführt.
Die erste Nennung von Bürgerschützen in der festen Stadt Horn besitzen
wir aus dem Jahre 1407; ihnen wurden damals bei einem Angriff von Truppen des
Paderborner Bischofs Harnische, Armbrüste und Eisenhüte weggenommen.
Daß die Hornschen 1488 ihren gefangenen Landesherrn von dem Calenberge
bei Hildesheim befreit und dabei auch Schwerter und Panzer erbeutet haben,
ist zwar nicht historisch. Tatsache ist aber, daß in Horn schon damals
das Rott der Schlachtechwertierer" existierte, das mit Kettenpanzern und "bihendern" (d.
s. Schwerter, die mit beiden Händen geschwungen werden) noch heute gelegentlich
als Paradetruppe auftritt.
In der Burg Blomberg befanden sich 1474 folgende Feuerwaffen: 5 Knippbüchsen
(Feuergewehre), eine kleine Büchse mit 3 Bleikugeln, eine Handbüchse,
5 Steinbüchsen (kleine Geschütze zum Verschießen von
Steinkugeln), 4 Hakenbüchsen( Arkebusen, tragbare Feuerrohre mit Gabelauflage),
eine Armbrust und ein kleines Feuerrohr mit 44 eisernen Kugeln. (Sandow 5.
52 F.)
Zur gleichen Zeit bat der Bischof von Münster den Edelherrn z. L., ihm
200 gute Knechte (wohlausgebildete Kriegsknechte) mit Schilden, Eisenhüten,
Feuer-
büchsen und Armbrüsten gegen Oldenburg zu schicken. Nach einem Bericht
unseres ältesten Stadtbuches war im Februar 1548 Salzuflen drei Tage und
drei Nächte lang von den Truppen mehrerer kaiserlicher Kriegsräte,
u. a. dem berüchtigten Christoff von Wrisberg, belegt.
Das war zu der Zeit, als Kaiser Karl V. die im Schmalkaldischen Bunde zusammengeschlossenen
protestantischen Länder wegen ihres Abfalles vom katholischen Glauben
bestrafen wollte. Bewaffneter Widerstand wurde bei der Androhung von Raub,
Brand und Mord diesmal nicht geleistet. Was hätten wohl die 300 Waffenträger
unserer Stadt vermocht gegen die heranrückenden 10000 Fußsoldaten
und 12000 Reiter des kaiserlichen Heeres! Am folgenden Tage, dem 7. Februar
1548, sollte "von Uflen aus der rote Hahn durch das Land fliegen. So mußte
sich Lippe eiligst zur Bezahlung einer Kontribution von 5000 Gulden bequemen,
die bei der Umlage für Salzuflen 400 Taler ergaben. Jede Hausstätte
hatte eine Belastung von 3 Talern zu tragen. Für die Armen übernahm
das Salzwerk die Zahlung, jedes Siedehaus 2 Taler. Wehrgemeinschaften der Zünfte An der Rietberger
Fehde 1556 nahmen außer Horner und Blomberger auch Salzufler
Schützen am schweren Geschütz teil. Es ist aber durchaus
unwahrscheinlich, daß sie auch die Bedienung desselben verstanden
haben. Vielmehr wurde jeder Geschützbedienung immer eine Anzahl Hellebardierer
zugeteilt: um solche muß es sich gehandelt haben. Bei den Auseinandersetzungen
wegen des Zwischenfalis in Lage 1595 kommt das deutlich zum Ausdruck. Um eine
Vorstellung von der militärischen Organisation der städtischen
Schützen zu bekommen, ziehen wir einmal Lemgo zum Vergleich heran.
K. Meier, Lemgo, betont, daß die Zünfte der Handwerker zu
gleich Wehrgemeinschaften waren und die Verteidigung der Stadt als
ihre vornehmste Pflicht betrachteten. War ein feindlicher Angriff zu
erwarten, so besetzte jede Gilde den ihr bestimmten Teil der Stadtumwallung;
daher gab es in Lemgo den Leineweberwall, Bäckerwall, Schmiedewall,
Kramerwall usw. Jeder neu Hinzutretende mußte entweder 1/2 Gulden
zur Beschaffung von Armbrüsten geben oder - später - sich
eine eigene Knippbüchse anschaffen. Um 1550
hatte jede Gilde ihre eigene Kanone, und Jeder neue Gildebruder mußte
bei seiner Aufnahme nicht nur eine eigene Rüstung und Feuerwaffe nachweisen,
sondern auch 1 Thaler für das Gildegeschütz bezahlen. Die Amtsdechen
jeder Gilde hatten den Zustand der "Wehr" jährlich zu kontrollieren.
(Sandow S. 61)
Das Stadtbuch von
1550
Einen Leineweberwall usw. kann es in Salzuflen nie gegeben haben, da unsere Stadt
keine Wallanlage gehabt hat. Aber auch bei uns haben die Handwerker-
gilden sich als die verantwortliche Oberschicht in der Bürgerschaft gefühlt
und sowohl die Bewaffnung als auch die regelmäßigen Schießübungen
durchgeführt.
Bei einem festlichen Empfang Bernhards VIII. am 13. September 1560 ist ein Fähnlein
(Haufen Fußvolk) von 300 Mann aufgestellt worden, wovon 150 "Schützen" waren,
die übrige Hälfte nur "Bürge<. Etwa zur selben Zeit bot
Lemgo bei einem Empfang 323 Angehörige der Gilden auf, welche die Wälle
bezogen, und 256 Mann "der gemeinen purgschafft wehr, also Angehörige
der einfachen Bürgerschaft ohne Gildenzugehörigkeit.
Von der ausführlichen Beschreibung, die der Richter und Stadtsecretarius
Gaspar Pott über die Huldigungszeremonie 1560 im ältesten Salzufler
Stadtbuche hinterlassen hat, sollen ein paar Zeilen im Wortlaut gebracht werden,
da hier über die militärische Ordnung und Bewaffnung einiges Interessante
gesagt wird-. "Denn 13. tag Septemb. sein alhir unse Bürger
und Bürger kynder bynnen Ufflen mit einem aufgerichten fenlin, 300 Man starch,
darunter 100 Man mit rüstung und langer gewehre, 50 Man mit kurtzer wehre
alß helbarden und fedderspießen und 150 Man der Schützen gewesen,
Seiner Onaden biß auff die Kohlage unter augen getzogen, und dar 5. Gnad.
in
bywesend Bürgermeistere und Raithe, so dahin anhe rüstung und langer
gewehr ader Büxen, sondern mit einem Schwerde hingangen, erwartet.
Und wie folgentz 5. On. zusampt andern Grafen und Lipschen Junchern
mit 150 pferden ungeferlich angekommen, haben unsere Bürger auff der Kohlage
einen Rinch geschlagen, dar 5. On. ingekommen.
Bei der nachfolgenden Begrüßungsansprache des Salzufler Bürgermeisters
am 13. Sept. 1560 wird denn betont, daß Rat und Bürgerschaft dem Grafen
mit
ihrem Gewehr nach ihrem Vermögen und altem Herkommen und Gebrauch entgegengezogen
sind. Sie erbieten sich, Seiner Onaden in einem zukünftigen
unvermeidlichen Kriegsfalle, den Gott in Gnaden abwenden möge, mit Leib
und Gut Beistand zu leisten.
Nach den beiderseitigen Grußreden,sein unsere Bürgere aus dem Ringe,
ein jeder in sein glidt in die Zoigordnung wieder getretten und vor dem Herren
her wider in die Stadt gezogenn. Der weitere Teil des Pottschen Protokolls schiJdert
sehr ausführlich die dreitägige Festlichkeit in unseren
Mauern. Doch soll hier nicht im einzelnen berichtet werden von den prunkvollen
Feiern, bei denen die Stadt allein 4250 Ltr. Mindener und -lämelner Bier,
sowie 412 Ltr. Wein, auch einen vergoldeten Silberpokal für 115 Gulden und
schließlich für die Küche im Rathause einen lebenden Ochsen nebst
vielen Bar-
geschenken lieferte. Schützen und Bürgerwehr
In diesem Berichte mag uns außer der Tatsache, daß Schützen
und Bürgerwehr in gleicher Stärke von je 150 Mann aufmarschiert waren,
besonders die Bewaff-
nung interessieren: Zwei Drittel der Mannschaft war "mit Rüstung
und langer Gewehre (d. h. mit Kettenpanzern, Eisenhut und Handfeuerwaffe) erschienen,
während das übrige Drittel "mit kurtzer wehre", (d. h.
mit Nahkampfwaffen, Spießen und Hellebarden) antrat. Nur die Ratsherren
trugen das ritterliche Schwert. Feldschlangen oder sonstige Geschütze
hat es in der Salzufler Wehr niemals gegeben, denn die schmale Mauerkrone und
die engen Türme hätten zur Aufstellung von Geschützen niemals
benutzt werden können. Die Einrichtung einer Umwallung zur Geschützverteidigung
hat unserer Stadt gänzlich gefehlt. Salzuflen war bei der Stadtwerdung
aufgeteilt in 8 Rotts (Rotten), die durch nochmalige Halbierung der wohlbekannten
Verndeile" oder Stadtviertel entstanden waren. Die Mannschaft, die von
jedem dieser 8
Stadtteile gestellt werden mußte, hieß anfangs auch "Rott".
Erst später, als wegen des schnellen Anwachsens unserer Stadt die Zahl
der Rotts auf 12, zeitweise auf 13 vergrößert werden mußte,
hießen die 8 militärischen Einheiten "Corporalschaften",
nach dem 7jährigen Kriege und der damit zusammenhängenden Vorliebe
für französische Ausdrucksweise auch "Sergeantschaften".
Schützengilde
als Miliz
Die militärische Bedeutung unserer Schützengilde sowohl als städtische
Miliz wie auch als gelegentliches Aufgebot des Landesherrn reicht eigentlich
nur bis
zum SOjährigen Kriege. Gegen die Riesenheere, die sich in jenen Schreckensjahren
durch die deutschen Lande wälzten und die mit Vorliebe in den Städten
Quartier nahmen, war der Widerstand einer Handvoll noch so braver Schützen
sinnlos. Zwar versuchte der lippische Landesherr zu Beginn des Krieges, seine
Städte zum Widerstand zu ermuntern. Georg Krudup
wurde in Salzuflen zum Generalwachtmeister ernannt.
Dieser ließ die Tore besonders sorgfältig schützen und ständig
besetzen, teilte auch jeden Morgen die bewaffnete Mannschaft zu Wachdiensten
ein. Doch
gegen die Truppen der Liga sowohl wie der Union konnten die Salzufler ihre
Tore nicht verteidigen. Unsere Archivakten berichten, wie 1633 ein schwedi-
eches Reiterregiment in Salzuflen in Quartier lag und gerade in der Nacht,
als am 21. Sept. derkommandeur Oberst Brunnecker sich mit einer Herforderin
vermählt hatte und die Garnison von Salzuflen Nachfeier hielt, von Minden
her ein Überfall durch eine kaiserliche Truppe von 800 Fufisoldaten und
400 Reitern erfolgte. Die Tore wurden durch Petrarden (Sprengladungen) geöffnet,
die schwedischen Offiziere gefangengenommen und die Salzufler Bürger ausgeplündert.
Die Schuld bekamen nachher bei den Frelgabeverhandlungen die Salzufler Schützen,
die ihre schwedische Besatzung "nicht hinreichend gesichert und die Tore
gefestigt hatten.
Leutnant Simon Herm. Nehmann, Krudups Nachfolger, (ein Bäcker im heut. "Altdeutschen
Gasthaus") hat trotz aller Kriegstrubel die Ehre der Salzufler Schützengilde
hochgehalten. Wenn schon gegen die Pappenheimschen und die Schweden kein Widerstand
half, so hat er doch den räuberischen Diebesbanden der Tatern (Zigeuner)
gezeigt, daß es für sie in Salzuflen nichts zu holen gab. Er setzte
ihnen nach und brachte unter eigener Lebensgefahr das geraubte Geld wieder
in die Stadt zurück.
Wenn auch die Bedeutung der städtischen Milizen als Kampftruppen durch
das Aufkommen der Landsknechtsheere mehr und mehr geschwunden war und
wenn besonders nach der Schaffung eines stehenden Heeres im Jahre 1697 der
lippische Graf nicht mehr der Schützenaufgebote seiner Städte bedurfte,
so
sind doch die Schützengilden als Traditionsverbände bestehen geblieben.
Sie haben sich zu Gesellschaften zusammengeschlossen, die den wehrhaften Geist
pflegten, regelmäßige Schießübungen abhielten und dem
Landesherrn stets für repräsentative Zwecke zu Gebote standen, etwa
beim Besuche fremder Fürst-
lichkeiten.
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