Viel Lärm um Schützen-Gala im Maritim

Salzufler Schützen müssen mit ihrer Jubiläums-Gala umziehen 

Das Ringen um Lärm bei Festen und Veranstaltungen in Salzuflen geht in eine neue Runde. Eine Nachbarin des Maritim-Hotels, die dort selbst einen Beherbergungsbetrieb führt, pocht darauf, dass die Stadt ein strenges Auge auf Feiern im Kursondergebiet hat. Ungewollt im Mittelpunkt: Die Salzufler Schützen, die jetzt spontan mit ihrem Jubiläums-Ball umziehen müssen – ausgerechnet ins Kurhaus.

Die gute Botschaft für die 300 Fest-Gäste, die sich bislang angemeldet haben: Die Veranstaltung am Samstag – ein Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 450-jährigen Bestehen der Schützengesellschaft Bad Salzuflen – wird nach Angaben der Organisatoren ab 18.30 Uhr wie geplant über die Bühne gehen. „Für uns bedeutet das einige zusätzliche Arbeit. Aber wir sind erleichtert, dass noch eine Lösung gefunden wurde“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Wie das Maritim auf Anfrage der LZ erklärte, wird das Hotel am Samstag im Kurhaus das Catering übernehmen. Grund für die Verlegung dieser Veranstaltung seien Nachbarschaftsstreitigkeiten rund um den Lärmschutz ab 22 Uhr. „Diese Auseinandersetzung betrifft aber ausschließlich den Schützenball und hat damit keine Auswirkungen auf zukünftige Veranstaltungen im Maritim Hotel Bad Salzuflen“, heißt es aus der Konzern-Zentrale. Darüber hinaus wolle man sich zu diesem Thema aktuell nicht weiter öffentlich äußern.

Darf man der Gegenseite Glauben schenken, ist diese Einschätzung nicht korrekt. Auf Anfrage der LZ betonte besagte Nachbarin, dass sie nichts gegen die Schützen habe, sondern vielmehr eine künftig dauerhafte, gerechte Behandlung einfordere.

„Seit das Verwaltungsgericht 2015 die Feiern im Kurhaus untersagt hat, finden zunehmend noch mehr Veranstaltungen im Maritim statt. Das kann doch nicht sein. Wir sind hier ebenfalls im Kursondergebiet, und das Maritim hat dafür keine Erlaubnis“, erklärte die Hotelbetreiberin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet, der sich bei der Stadt und notfalls vor Gericht für ihre Rechte einsetzen soll: „Es geht um meine Existenz.“

Nach einem entsprechenden Schreiben hat sich Bürgermeister Roland Thomas vor Ostern als Vermittler versucht – allerdings vergeblich. Daraufhin hat die Stadtverwaltung zumindest für die Schützen-Gala die Notbremse gezogen und eine Verlegung empfohlen. „Ich habe großes Interesse an einem schönen Jubiläumsjahr mit einem Galaball. Nach unserer Einschätzung haben wir akuten Handlungsbedarf gesehen“, erklärte Roland Thomas. Demnach sei denkbar gewesen, dass ein Gericht die Veranstaltung kurzfristig hätte untersagen können.

Trotz des Gerichtsurteils in puncto Kurhaus geht er davon aus, dass der Schützenball dort ohne Probleme über die Bühne geht. Mit den entsprechenden Nachbarn habe man „vernünftige Gespräche“ geführt und unter anderem Vereinbarungen zum Lärmschutz in diesem einen Fall getroffen – wie beispielsweise ein Raucherzimmer innerhalb des Kurhauses.

Streit schwelt schon seit den 1970er Jahren

Der Nachbarschaftskonflikt rund um das Maritim Salzuflen ist fast so alt wie das Gebäude selbst. Nach eigenen Angaben hat die Betreiberin eines direkt angrenzenden Garni-Hotels bereits Ende der 70er Jahre erste Auseinandersetzungen mit der weltweit tätigen und in Bad Salzuflen beheimateten Hotel-Kette geführt.

2002 hat es eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Minden gegeben, mit der die Stadt zu einem bauaufsichtsrechtlichen Einschreiten verpflichtet wurde – insbesondere im Hinblick auf unzulässigen Lärm im Kursondergebiet. Seitdem ist unter anderem das Befahren des Grundstücks zwischen 22 und 6 Uhr verboten.

2015 hatte sich das Verwaltungsgericht zudem mit der Klage eines Hoteliers in der Kurhaus-Nachbarschaft beschäftigt und die Nutzung der Kur-Immobilie deutlich eingeschränkt. Zuvor hatten dort zahlreiche Feiern, Bälle und Veranstaltungen stattgefunden.

Kommentar: „Lärm-Schutz wird zum Witz“
von Stefan Backe

„Heute Abend könnte es ein bisschen lauter werden. Wenn Sie wollen, können Sie gerne auf ein Bier rüberkommen.“ Unter guten Nachbarn gehört dieser Satz vor einer Party zum guten Ton. Und er erhöht die Chancen der Gastgeber, dass die Polizeistreife erst zu fortgeschrittener Nacht-Stunde an der Haustür klingelt.

Aus diesem Blickwinkel ehrt es die Stadt, dass sie im Vorfeld der Jubiläums-Gala alle Hebel in Bewegung setzt, um der Schützengesellschaft Salzuflen nach den Problemen am Maritim-Hotel eine Feier im Kurhaus zu ermöglichen.

Und es zeugt von einem guten Miteinander, wenn die Nachbarn, die noch vor zwei Jahren mit einer Klage wegen des nächtlichen Lärms für eine erhebliche Nutzungseinschränkung der Kur-Immobilie gesorgt haben, hier offenbar mitspielen.

Aber streng genommen ist es ein Witz: Die Nachbarn entscheiden, wann und wie gefeiert werden darf? Mit dem umfangreichen Kursondergebiet hat die Stadt einen Klotz am Bein, der in solchen Fällen schwer zu ertragen ist. Dabei sind die Argumente der Maritim-Nachbarin absolut nachvollziehbar.

Warum sollte sie die Feiern und Veranstaltungen erdulden müssen, gegen die ein paar Hundert Meter weiter erfolgreich geklagt worden ist? Alle oder keiner. Für mich gilt im Zweifelsfall: Alle. Bad Salzuflen ist kein Freilichtmuseum. Auch wenn das momentan geltende Recht manchmal andere Ziele zu verfolgen scheint.


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